Ich spinne oder doch nicht?


Ich denke, ich spinne, na ja gut, ich versuche es mal von Anfang an.

Das Schöne an meiner Arbeit als Gründungsberaterin ist, dass ich immer wieder Menschen begegne, die ihre ganz eigenen Ideen umsetzen
 wollen. Menschen, die mit Kraft, Energie und Herzblut etwas aufbauen, das es so vorher nicht gab bzw. verloren gegangen scheint.

Im letzten Jahr habe ich, auf der Gründerinnenmesse im Gründungs- und Zukunftszentrum DeveLUP in Ludwigslust, Britta Eizenhöfer kennengelernt. Britta hat ein altes Handwerk wiederbelebt und setzt es in Loosen bei Ludwigslust mit beeindruckender Hingabe um. Sie veredelt Schaf- und Alpakawolle und hat dafür ihre eigene Karderei Hashtaeröffnet.

Am Anfang liegt die Wolle, am Ende ein kuschelweiches Vlies. Britta bekommt die Rohwolle von Schäfereien und Alpakahalter*innen aus der Region. Sie sortiert, wäscht, trocknet und kardiert sie. Kardieren bedeutet, dass die Fasern über mehrere benadelte Walzen laufen, geöffnet, entwirrt und in eine Richtung ausgerichtet werden. So entsteht ein weiches, gleichmäßiges Vlies, das später zu Bettdecken, Kissen, Filz oder Garn weiterverarbeitet werden kann.


Und ja: Aus diesem Garn lassen sich dann Pullover, Schals oder Socken stricken, der Faden schließt sich also wortwörtlich. Britta führt ihre Karderei nun seit einem Jahr und bietet ihre Arbeit als Lohnunternehmerin an. Die Nachfrage ist groß, denn regionale Wollverarbeitung ist selten geworden.

Was ich besonders schön finde: Britta hat selbst erst vor drei Jahren mit dem Spinnen begonnen. Und heute gibt sie dieses alte Handwerk weiter. Neben ihren Sinnkursen HashtagSpinnkursenbietet sie auch HashtagNaturfärbekurse an.

So kam es, dass ich an diesem Wochenende bei ihr in der Küche vor einem Spinnrad saß und plötzlich verstand, wie viel Ruhe, Geschick und Geschichte in diesem Handwerk steckt.

Gründungen entstehen nicht nur aus Businessplänen. Sie entstehen aus Leidenschaft. Aus Neugier. Aus dem Mut, etwas Altes neu zu denken.
Britta zeigt, wie kraftvoll es sein kann, eine ungewöhnliche Idee zu verfolgen, selbst dann, wenn andere vielleicht sagen: „Die spinnen.“ 😉

PS: Ich spinne oder doch nicht? Laut Britta darf ich noch ein wenig üben. Es ist nämlich gar nicht so einfach.